13.01.2014

ZDF missachtet Anne-Frank-Erben

Der Anne Frank Fonds Basel wurde 1963 von Otto Frank gegründet und von ihm als Universalerbe eingesetzt. Er vertritt die Familien Frank und Elias sowie sämtliche Rechte, Archive, Fotos und weiteres Material aus über 300 Jahren Familiengeschichte in Frankfurt, Basel, Amsterdam, Paris und anderen Städten.

Im Frühjahr 2012 kündigte der Anne Frank Fonds Basel in der Presse und bei Sendern die erste deutsche Verfilmung der Geschichte der Familie und Anne Frank basierend auf Originaltexten der Tagebücher, neu publiziertem Archivmaterial und anderen Dokumenten an. Die weltweiten Rechte wurden exklusiv an die AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbh, ein Unternehmen der Verlagsgruppe von Holtzbrinck und Zeitsprung Pictures GmbH, vergeben. Der Film wird Anfang 2015 in den deutschen und europäischen Kinos zu sehen sein. Es handelt sich dabei um den ersten deutschsprachigen internationalen Kinofilm über die Geschichte der Familie Frank. Drehbuchautor ist Fred Breinersdorfer, Regie führt Hans Steinbichler. Jan Mojto mit Beta-Film ist für den internationalen Vertrieb zuständig und Senator ist der deutsche Verleiher.

Bereits im Jahre 2012 informierte der Anne Frank Fonds das ZDF sowie alle anderen öffentlich-rechtlichen deutschen Sender schriftlich über das Filmprojekt, das im Hinblick auf den 70. Todestag von Anne und Margot Frank sowie 70 Jahre Kriegsende im Jahre 2015 lanciert wurde. Darüber hinaus informierte der Anne Frank Fonds in mehreren Gesprächen den ZDF-Programmleiter Reinhold Elschot auch persönlich. Elschot lehnte eine Beteiligung seines Senders an diesem Projekt damals ab. Ebenso informierten die Rechteinhaber die Produzenten Constantin und Moovie The Art of Entertainment offen über das bereits bewilligte Projekt und die vergebenen Rechte. Der Rechteinhaber und Vertreter der Familien informierte frühzeitig über die Rechtesituation und den geplanten Kinofilm, der über das Tagebuch hinaus den historischen Kontext sowie die Geschichte der deutsch-jüdischen Familien vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt.

Der Anne Frank Fonds Basel hat kein Verständnis dafür, dass das öffentlich-rechtliche Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) Jahrzehnte lang dem Thema der Frankfurter Familie Frank kaum Beachtung schenkte und nun plötzlich verkündet, mit Constantin- Geschäftsführer Oliver Berben einen Film über Anne Frank zu produzieren. Das verstösst nicht nur gegen Usanzen, Fairness und Anstand sondern stellt ein respektloses Verhalten^gegenüber einer im Holocaust weitgehend vernichteten Familie dar. Die Geschichte von Anne und Familie Frank soll adäquat, authentisch und nicht basierend auf Umgehungen von Quellen und Rechten erzählt werden. Die Rechtinhaber erwarten, dass gerade TV-Sender nicht mit der Brechstange den Willen der Familie unterwandern. Nur ein Mangel an Sensibilität im Umgang mit jüdischem Erbe führt zu solchen Exzessen. Mitunter sind Eigentum von Dritten und Respekt vor Entscheidungen sowie der Persönlichkeitsrechte eines der höchsten Güter im Rechtsstaat, die es auch für das ZDF zu respektieren gilt.

Nachdem der Sender mehreren Aufforderungen zu einem Gespräch nicht nachgekommen ist, würde sich der Anne Frank Fonds Basel wünschen, dass gerade das ZDF nicht Quote, sondern Qualität, Seriosität und Weitsicht mit Blick auf die Sache allen anderen Interessen voranstellt. Mit diesem in Deutschland beispiellosen Vorgehen gegen nicht kommerzielle Rechteinhaber verstösst das ZDF gegen die guten Gepflogenheiten gegenüber Fördergesellschaften und anderen Partnern. Daher mahnt der Anne Frank Fonds Basel die Aufsichtsgremien des ZDF an und fordert sie sowie den Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens Thomas Bellut und seinen Programmdirektor Norbert Himmler auf, das angekündigte Filmprojekt zu stoppen und damit die Rechte von Familie und Anne Frank, vertreten durch den Anne Frank Fonds Basel und die Familie, konsequent zu respektieren. Dies bedeutet auch, dass Rechte nicht umgangen oder allenfalls verletzt werden.

Der Anne Frank Fonds ist eine Stiftung nach Schweizer Recht. Gemäss seinem Gründer Otto Frank führt er Einnahmen namentlich aus Verkäufen des Tagebuchs oder dessen Dramatisierung wohltätigen und edukativen Projekten weltweit zu. Im Jahre 2012 gründete er mit der Stadt Frankfurt das Familie Frank Zentrum, das u.a. mit den Archiven der Familie Frank ausgestattet wird.

Weitere Informationen und Fragen:

ANNE FRANK FONDS
Yves Kugelmann +41 79 371 60 60
yves.kugelmann@annefrank.ch

Büro Anne Frank Fonds Basel
Steinengraben 18
CH-4051 Basel
Telefon: +41 61 274 11 74
Fax: +41 61 274 11 75

www.annefrank.ch

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