28.02.2012

Familie Frank in Frankfurt

Das Jüdische Museum der Stadt Frankfurt am Main begründet zusammen mit dem Anne Frank Fonds als einen neuen zentralen Schwerpunkt des Hauses das „Familie Frank Zentrum“ mit Dauerausstellung, Archiv und Pädagogischem Zentrum.

Der Anne Frank Fonds Basel und die Familie Elias-Frank haben nach genauer Abwägung mehrerer Standorte entschieden, dass Archivmaterialien des von Otto Frank in Basel gegründeten Anne Frank Fonds und der Familie Elias vereint und dauerhaft im Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt am Main als eigenständiges Archiv untergebracht werden sollen. Flankiert wird die Kooperation von der geplanten neuen Dauerausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt, in der die Familie Frank Bestandteil sein wird, und Forschungs- bzw. pädagogischer Arbeit.
Das Projekt bedeutet für den Anne Frank Fonds Basel den logischen Schritt zurück in die Geburts- und Heimstätte der Familie Frank, die durch Anne Franks im Amsterdamer Exil geschriebenes Tagebuch weltberühmt wurde. In der Buchstadt Frankfurt ist mit dem S. Fischer Verlag auch einer der zentralen Verlage des Tagebuchs von Anne Frank und von Schriften über sie und ihre Familie beheimatet.
Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt, erklärt zu der Kooperation zwischen Anne Frank Fonds Basel und Stadt Frankfurt: „Damit wird eine ganz zentrale Stärkung der Bestände des Jüdischen Museums erfolgen. Hier kann nun erstmals gestützt auf einen umfassenden Objektbestand und ein Archiv die
jahrhundertealte Geschichte der Familien Frank-Elias gezeigt und erforscht werden. Mit dem neuen Objektbestand wird es für das Jüdische Museum möglich sein, in einzigartiger Weise die bedeutende und exemplarische Geschichte der Familie in ihrem historischen Kontext auszustellen. Damit wird auch die oftmals isoliert wahrgenommene Geschichte von Annelies (Anne) Frank in den Zusammenhang der deutsch-jüdischen Geschichte gestellt. Diese Entwicklung ist daher über Frankfurt hinaus von internationaler Bedeutung.“
Buddy Elias, Präsident des Anne Frank Fonds Basel und Cousin von Anne Frank, selbst in Frankfurt geboren, begründet die symbolische und projektbezogene Rückkehr nach Frankfurt so: „Die Frankfurter Wurzeln der Familie Frank sowie das jüdische Kompetenzzentrum im städtischen Umfeld mit Anbindung an die universitäre Forschung und Lehre sind für den Anne Frank Fonds Basel Grundlage für die zukunftsweisende Einbettung seiner Archive. Der Anne Frank Fonds möchte mit dem Fokus auf Frankfurt das Tagebuch der Anne Frank in den Kontext der Familiengeschichte und einer jüdischen Geschichte ansiedeln, die weit über die dunkle Zeit der Schoa hinausweist. Das Jüdische Museum, welches sich seit Jahren diesem Projekt verschrieben hat, wird es ermöglichen,
unsere Archive der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das jahrzehntelange Wirken des Anne Frank Fonds Basel zur Aufarbeitung der Geschichte in einem akademischen und öffentlich sichtbaren Umfeld anzusiedeln.“
Kulturdezernent Prof. Dr. Semmelroth sieht in dem Vertrag eine für die Stadt Frankfurt am Main kulturhistorisch bedeutsame Entwicklung: „Dem Jüdischen Museum Frankfurt bietet sich durch den neu geschlossenen Vertrag die absolut einzigartige Gelegenheit,
einen historisch überaus wertvollen Bestand einem breiten Publikum in der Geburtsstadt von Anne Frank zu präsentieren.“ Die Gründung des „Familie Frank Zentrum“ wird als zentraler Teil der neuen Dauerausstellung in Verbindung mit dem Archiv des Museums und dem Pädagogischen Zentrum das Profil des Jüdischen Museums als Zentrum für jüdische Geschichte wesentlich verstärken. Nachdem am 2. Februar 2012 die Stadtverordnetenversammlung Frankfurts dem Raumprogramm zur Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums zugestimmt hat, wird durch den heute unterzeichneten Vertrag auch für die inhaltliche Dimension dieses Großprojekts eine entscheidende Weiche gestellt. Durch das Pädagogische Zentrum des Jüdischen Museums und des Fritz Bauer Instituts wird auch eine intensive Vermittlung und pädagogische Vertiefung des Themas ermöglicht. Ebenso werden die enge Zusammenarbeit mit der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank fortgesetzt und durch das neue Archivmaterial die Möglichkeiten für Ausstellung und Forschung wesentlich verstärkt.“

Dauerausstellung 

In der geplanten neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt wird die Geschichte der Familien Stern, Frank, Elias im Kontext der jahrhundertelangen deutschjüdischen Geschichte bis zu ihrem jähen Ende durch die nationalsozialistische Judenpolitik präsentiert werden. Der Familienverband Frank-Elias reicht weit in die Frankfurter Geschichte zurück. Erste Dokumente sind bereits für das 16. und 17. Jahrhundert überliefert. Das älteste Porträt
eines Frankfurter Juden aus dem Jahre 1671 stellt Süsskind Stern dar, einen direkten Vorfahren der Familie von Anne Frank. Dem Museum werden dauerhaft das Familienarchiv der Familie Frank-Elias, das Archiv des Anne Frank Fonds inklusive einem großen Bestand an Objekten (unter anderem Gemälde, Fotografien, Möbel, Erinnerungsstücke, Briefe) aus der Familiengeschichte Frank-Elias als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Archiv

Der historisch wertvolle Archivbestand des Anne Frank Fonds Basel und der Familie Elias wird erstmals einem breiten Publikum in der Geburtsstadt von Otto, Margot und Anne Frank präsentiert und für die Forschung zugänglich gemacht. Das Jüdische Museum wird mit dieser Zusammenarbeit sein Profil als Zentrum für jüdische Geschichte stärken. Die ersten Objekte und Dokumente werden 2012 an das Jüdische Museum übergeben.

Der gesamte Bestand soll spätestens mit Abschluss der Sanierungsarbeiten und dem Erweiterungsbau des Jüdischen Museums zugänglich gemacht werden.

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